Als das „ruller Heiligthum“ Schulstube wurde

Aus verschiedenen Quellen lässt sich ein ziemlich vollständiges Bild der historischen Kapelle nachzeichnen. Eine gute Orientierung gibt zunächst der Kupferstich von Johann Heinrich Löffler, der auf einem Wallfahrtszettel aus der Zeit um 1680 nachgedruckt worden ist.

Wer den Fahrweg vom Zisterzienserinnenkloster Marienbrunn zum „Kleinen Hügel“ hinaufging, traf bis 1820 auf die rullische Capelle, die seit Jahrhunderten von frommen Pilgern besucht wurde. Dieses rullische Heiligthum geht nach der Legende auf die Auffindung der gestohlenen Ruller Hostiendose zurück, die 1347 an der Stelle, an der später die Kapelle erbaut worden ist, weggeworfen worden sein soll.
Man erzählt von einem Blutwunder, weil ein gleichzeitig aufgefundenes Ziborientuch Farbflecke trägt, die als Blutflecke gedeutet wurden. Der Volksmund spricht noch heute von der Ruller Blutskapelle. 

Das aus Kalkbruchstein erbaute und mit Kalkmörtel geputzte Kirchlein war nach den Außenmaßen etwa 7,50 m breit und 13 m lang und nach Osten von einer 3/8–Apsis abgeschlossen. Das Dach war mit roten Hohlziegeln gedeckt und ein kleiner Glockenturm mit Kreuz krönte das Haus. Die Westwand hatte zwei „Portale in Doppeltürgröße und scheidrechtem Bogen“, eine dritte Tür war wohl in der Nähe der Apsis.

An den Haupt-Wallfahrtstagen, am 1. Mai und am Freitag vor Pfingsten, wird die Kapelle für die große Zahl der Pilger viel zu klein gewesen sein, so dass sie als Sakraments- und Prozessionskapelle angesehen werden muss. Sie war das Zentrum der Ruller Wallfahrt. Hier wurde das Armenopfer hinterlegt, das als gutes Werk zum Erwerb des Ablasses gehörte. Den Abschluss der Wallfahrt bildeten die Predigt des Priesters und der sakramentale Segen an diesem Ort.

An den Eckstellen, dort wo die Apsis ansetzt, hat man Postamente gefunden, die auf sogenannte Armenpöster, stabile Opferstöcke mit eisernen Schlössern, hinweisen.

Der Kapellenraum muss ein heller Raum gewesen sein, der in acht Fuß Höhe drei Fenster in der Apsis hatte und je zwei an den Längsseiten. Der selbsttragende Dachstuhl erlaubte die Öffnung auf 4,70 m Höhe. Die Sparren waren mit Brettern beschlagen. Der Fußboden war mit Tonziegeln gedeckt.

Diese Baubeschreibung ergibt sich vor allem aus den Bauakten von 1820. Frühere Renovierungen sind bekannt; so aus der Aufforderung des Osnabrücker Bischofs Franz Wilhelm von Wartenberg an die Klosterfrauen, die im 30-jährigen Krieg verwüstete Kapelle wieder aufzurichten. Äbtissin Anna Magdalena von Clevorn bemühte sich nach 1683 um die Renovierung der Fenster und des Daches und fand Wohltäter, die für die Anschaffung eines würdigen Altares und einer kostbaren silbernen Lampe zu Ehren des Hl. Blutes sorgten, die an vier Ketten neben dem Altar aufgehängt war. Die Weihwasserbecken aus Sandstein sollen sich nach Feststellungen von W. Flake in der heutigen Gnadenkapelle befinden. Nach Auskunft des heutigen Bewohners sollen sie die Schul- und Försterzeit im Hause überstanden haben und erst von einem Bewohner nach 1931 abgeschlagen worden sein.

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Das Ruller Haus mit Hof und Gartenbühne, Musikraum, Diele, Küche und Kaminzimmer eignet sich für Seminare, Tagungen und vieles mehr …

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