Vor der Premiere von William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ am 28. August im Innenhof des Ruller Hauses musste kurzfristig die Rolle des Demetrius neu besetzt werden, die eigentlich Arno Weerd übernehmen sollte. Das Ensemble „Rulle on Stage“ unter der Spielleitung von Nicole Möllering ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen: Ulrike Acker sprang als Vertretung ein (auch weiterhin in ihrer eigenen Rolle des Schlecker) und hatte sich den Text innerhalb von nur 24 Stunden erarbeitet – auf der Bühne war davon nichts zu spüren.
Wegen freier Platzwahl kamen viele Gäste schon früh zur Gartenbühne des Ruller Hauses. Die Wartezeit bis zum Beginn ließ sich bei Wein, Bier und Brezeln aber bestens überbrücken. Nach den ersten Szenen machte die naturnahe Inszenierung ihrem besonderen Charakter alle Ehre: Ein kräftiger Regenguss setzte ein, kurzerhand wurde die Pause vorgezogen und die Zuschauenden zum Schutz ins Ruller Haus gebeten, wo bei einem weiteren Getränk der Schauer im Trockenen abgewartet werden konnte.
Danach ging es zurück auf die Bühne, wo die Schauspieler:innen mit großer Spielfreude, überzeugender Leistung und viel Komik das Publikum begeisterten. Gudrun Temmeyer und Wolfgang Gude verliehen dem Elfenpaar Titania und Oberon als Königin und König des Waldes majestätische Präsenz und den nötigen magischen Zauber. Lisa Menke, Antje Schmidt und Carsten Schulte navigierten als Hermia, Helena und Lysander mit spürbarer Leidenschaft durch das turbulente Liebeswirrwarr der Athener Jugend und trafen dabei genau den richtigen Ton zwischen Ernst und Komik. Besonders viele Lacher ernteten die Publikumslieblinge Puck (Yvonne Hesse), Zettel (Judith Kemme) und Thisbi (Hermann Saalfeld). Mitgetragen wurde der stimmige Abend von der gesamten Besetzung, die mit sichtlichem Elan an einem Strang zog, sowie vom Team hinter den Kulissen.
Viel Applaus und schließlich Standing Ovations waren der verdiente Lohn für einen atmosphärisch dichten und rundum gelungenen Premierenabend. Ein Sommernachtstraum, der seinem Namen alle Ehre machte.
