Das Ruller Schulhaus 1820 – 1879

Das erste gemeindliche Haus war in Rulle das 1820 erbaute Schulhaus. Mächtig muss das 30 Meter lange Gebäude auf dem „Kleinen Hügel“ gewirkt haben. Wie schon die Kapelle zuvor, wurde es mit hiesigen Bruchsteinen gebaut, geputzt (gerappt) und geweißt.

Zur Fahrwegseite zeigte der helle Bau mit seinen goldbraunen Sandsteingewänden und dem roten Ziegeldach seine gediegene Schönheit. Nach Osten neigte sich das Dach zu, zur Westseite hatte es einen stehenden Giebel. Diese Westseite ist mit einem mittig gesetzten sandsteingefassten Bogenfenster und beidseitig eingefügten weiteren zwei Fenstern bemerkenswert sorgfältig gestaltet. Der Giebel hat zwei größere Fenster. Hier ist auch ein behauener Sandstein zur Erinnerung an die Bauleute eingesetzt gewesen: „Unter der Direction des Königl. Voigts Schwicker durch A. W. Schoof Mauermeisters und F. C. Meyer Zimermeister aus Osnabrück im Jahre 1820 errichtet“.

Sieben schlanke Fenster und zwei Türen mit drei Sandsteinstufen teilten die lange Straßenfront. Die eine Tür führte über ein Entrée in die Schulstube und in die Wohnung des Lehrers, die andere zur Dreschdiele im Westteil des Hauses.

Nach Osten wurde das Grundstück zur Wegseite von einer 8,50 m langen und 2,30 m hohen „Hofeinschluss mauer“ aus Ziegelsteinen mit Sandsteinkappen begrenzt. Ein hohes eichenes Brettertor verschloss die Einfahrt. Zum Hof hin hatte die Schule nur ein Fenster nach Osten. Die schmalere alte Kapelle bildete mit dem breiteren Wohnhaus einen Gebäudewinkel (s. Foto). geweisst. Nahe dieser Stelle ist 1820 ein Ziehbrunnen gegraben worden, wenige Schritte vom Eingang zur Küche. Markant war das Rundbogentor zur Dreschdiele mit Sandsteingewänden, „Absetzer-Schlußstein und Kämpfer“.

Die Wohnung der Lehrerfamilie, die durch die Westwand der Schulstube und der Brandmauer zur Diele begrenzt war, hatte 74 qm. Der Innenausbau geschah mit leichtem Fachwerk, das mit Bruchstein gefüllt worden ist. Die Fachwerkwände der Wohnung sind mit Lehm geputzt und dann geweisst worden.

Zentrum des Hauses war wohl die Küche mit einer offenen Herdstelle und einem Rauchfang. Von diesem Raum ging eine Treppe in den nur 1,60 m tiefen Keller. Über dem Keller befand sich eine kleinere Kammer. Ein schmaler, dunkler Gang führte von der Küche in den Stallbereich. Somit verfügte die Lehrerfamilie über eine Wohnung mit „Küche und 3 Zimmern – ohne Bad“.

Eine Bodentreppe mit einseitigem „Docken-geländer“ führte vom Entrée aus zu einer in Fachwerk aufgesetzten Dachkammer, die später die Domestiken-kammer genannt wird, ebenfalls zu der wichtigen Räucherkammer. Beide sind noch heute erhalten. Im oberen Teil des Treppenhauses war „ein tannener gehobelter Verschlag mit Decke und Tür“ zum Trocknen von Fleisch und Würsten.

Untypisch für ein Lehrerhaus des frühen 19. Jahrhunderts ist die dritte Feuerstelle, die ein Zugeständnis des Vogtes Schwicker gewesen sein soll. Der Ofen war in der Stube des Lehrers aufgestellt.

Die Stallungen lassen sich nicht genau zuteilen. Es werden Kosten für Schweinestall, Kuhstall und Hexelkammer in Rechnung gesetzt. Ein Abort mit eichenem Sitz und losem Deckel befindet sich ebenfalls in dem Stallbereich. Fünf Toilettensitze für die Schüler sind an der Westseite des Hauses, nahe der Mistgrube, eingezeichnet.

Der Brunnen, der noch heute Wasser gibt, ist mit viel Mühe in den Felsboden hineingesprengt worden. Der Bergmeister Herold vom Piesberg hat dazu 4¾ Pfund Pulver geliefert. Seilermeister Anton Sommer aus Osnabrück hat ein 9 Klafter langes Seil für die Winde in Rechnung gestellt.

Die Endabrechnung des Schulhauses, die Vogt Schwicker im Dezember 1820 vorlegt, schließt mit 1724 Reichsthalern, 1 Mariengroschen und 2 Pfennig ab. Auf der Einnahmenseite hat er jedoch 2 324 Reichsthaler und 26 Mariengroschen, so dass ein Guthaben von 600 Rthl., 24 mgr. und 6 Pf. in die „Communal-Rechnung“ von 1820 eingeführt werden konnte. Für den Schulbau hatte der Vogt selbst eichene Dielen und Ständerholz „gratis geliefert“, Weihbischof von Gruben hatte 100 Rthl. versprochen und Pastor Sepe 50 Rthl. gegeben, die alte Äbtissin von Waldthausen und ihre Schwester, das Fräulein von Waldthausen, gaben 20 sowie „mehrere Schulfreunde“ 106. Aus „Abgefall von Baumaterialien“ und erstatteter „Landmiethe“ sind etwa 95 Rthl. eingekommen. Mehr als achtzig Prozent der Einnahmen wurden aus dem Grundverkauf in der Ruller Mark eingenommen. Damals sind mehr als 155 Scheffelsaat (ca. 18 ha.) dafür verkauft worden.

In die Kostenrechnung für das Schulhaus ist die „Nota“ des Wirtes Beckmann, der die Klosterschänke im Pfortenhaus betrieb, mit 24 Rthl. und 12 mgr. eingegangen. Dafür lieferte er zum Richtfest im August „3 ton(nen) Bir“ und „25 Kann(nen) Brantwein, per Kanne 10 mgl., Stuten, Butter und Käse“.

Am 17. Oktober 1820 ist die Schule eingeweiht worden.

Eine Lehrerwohnung mit landwirtschaftlichen Nebenräumen und einem guten Stück Land war neben dem Schulgeld, das die Familien der Schulkinder aufbringen mussten, eine wichtige Versorgung für den Landschullehrer. In den Kirchdörfern waren die Schulmeister zugleich Küster und Organisten, so dass das Lehrerhaus gern Küsterei genannt wurde, weil mit diesem Amte ein größeres Ansehen verbunden war.

Der vom Königlichen Amte bestellte Lehrer Heinrich Johannes Bedenbecker (27) aus Iburg konnte sich auf diese Ausstattung seines Amtes freuen, als er an Michaelis 1820 seine neue Stelle als Lehrer, Küster und Organist einnehmen und das fertiggestellte Lehrerhaus beziehen konnte.

Bedenbecker hat bis zu seinem Tode 1873 in diesem Hause gewohnt. Er kam 1820 vom „Osnabrücker Normalkurs“, einem Vorläuferinstitut des Bischöflichen Lehrerseminars. Er heiratete 1821 die gleichaltrige Klara Elisabeth Schäfer aus Iburg. Die Lehrerfamilie hatte fünf Kinder. Ein Sohn ist Priester geworden. Eine Tante des Lehrers war Ende des 18. Jahrhunderts Laienschwester und „Küchinn“ bei den Zisterzienserinnen in Rulle.

Bis 1879 ist dieses Anwesen Schulhaus geblieben. Seit 1865 hatte man versucht, für die damals 180 Kinder einen weiteren Klassenraum anzubauen und eine zweite Lehrperson (eine Lehrerin) zu bekommen. Der zweite Schulraum, die Erweiterung der Lehrerwohnung und die Einrichtung einer Stube und einer Kammer für die zweite alleinstehende Lehrkraft waren vom Bauinspektor Reissner bereits geplant, als die Schulgemeinde zum 1.10.1879 den „mittleren Teil des Klostergebäudes“ erwerben konnte, so dass sich in „demselben zwei Klassenzimmer und zwei Dienstwohnungen“ einrichten ließen.

Erst 1884/85 konnte das alte Schulhaus von der Oberförsterei erworben werden.

Vermietung

Das Ruller Haus mit Hof und Gartenbühne, Musikraum, Diele, Küche und Kaminzimmer eignet sich für Seminare, Tagungen und vieles mehr …

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