Das Forstgehöft der Oberförsterei Osnabrück 1885 – 1931

Der Umzug der Schule ins Äbtissinnenhaus „Auf dem Kloster“ hat zu lang andauernden Verkaufsverhandlungen zwischen der Schulgemeinde und der Königlichen Klosterkammer um das alte Schulhaus und den dazu gehörenden Ländereien geführt. Noch im Herbst 1884 war es nicht entschieden, ob der meistbietende Gastwirt Spannhorst oder die Klosterkammer den Zuschlag bekommen sollten.

1879 hatte die Forstverwaltung ihre Zuständigkeiten neu geordnet. Rulle gehörte seither als eigenständige Einheit zur Oberförsterei Osnabrück.

Oberförster Illiger, seit 1866 in Rulle, wollte das leerstehende Anwesen zur Försterei umbauen und den für Rulle zuständigen Förster dort unterbringen.

1888 entsteht ein „Bau-Inventarium von dem Forstetablissement in Rulle“, das vom derzeitigen Förster Otto Robert Tappert (1883 – 1904) durch Unterschrift anerkannt wird. In demselben Jahr war nach Norden hin ein Erweiterungsbau von 9,60 m mal 7,00 m an den Dielen- und Stallteil des Lehrerhauses angesetzt worden. Auch sonst sind einige Eingriffe in die Bausubstanz gemacht worden.

Die 70 qm große Schulstube wurde Wohnraum, so dass nach Norden zwei Fenster eingebrochen werden mussten und die alte Eingangstür zur Küche als dritte Öffnung dorthin verlegt wurde. Dieser Zugang erschloss die neuen Wohnräume und die alte Wohnung.

Die nach Norden liegenden Räume der alten Wohnung wurden fortan „landwirtschaftliche Funktionsräume“. Die Küche war heller geworden, weil die verlegte Außentür zu einem Fenster umgebaut wurde. Neben dem Küchenfenster nach Osten wurde eine Tür zum neuen Flur eingebrochen. Dafür musste die alte Feuerstelle, „eine Kesselfeuerung von Backsteinen mit beschlagener Heizthür und langem Rauchrohr von Eisenblech und ein von Backsteinen gemauerter und überwölbter Backofen mit Backsteinherd und beschlagener Eisenblechthür“ entfernt werden. Der Raum über dem Keller wurde jetzt die „Kochstube“ des Hauses.
Dort befanden sich eine „eiserne Kochmaschine mit Bratofen“ und einige eingebaute Möbel: „über dem Kellereingang ein schrankartiger Aufbau mit Decke, eine Börte darin und 2 beschlagene Thüren, davor eine feste Sitzbank mit Vorderbrett (kastenartig)“. Die „Kesselfeuerung mit beschlagener Heizthür, Roste und Vorblech“ wurde in der Viehküche, dem zweiten Raum an dem langen Gang, der zur Stallung führte, wieder aufgemauert.

Der Kellerraum ist auf 5,60 m mal 2,60 m vergrößert worden. Über acht Trittstufen einer hölzernen Treppe kam man in den nur 1,60 m tiefen Keller. „Bei der Kellertreppe (war) ein Milchgelass, bestehend aus 2 Halbstein starken Wänden mit 1 Drahtgitterfenster und einer eichenen Eingangstür zwischen zwei Pfosten“. Ein Waschplatz für alle Waschvorgänge, „ein Gossenstein von Sandstein, an 2 Seiten mit Backsteinen untermauert“, befand sich in der Küche in der Fensterecke.

Auf der anderen Seite des Ganges, zur Sonnenseite, blieben Stube und Kammer erhalten.

Durch einen 1888 errichteten Anbau konnten alle Stallungen nach dort verlegt werden. Die alte Dreschtenne wurde umgestaltet. Die Tür zur Straße wurde geschlossen und zum Fenster umgebaut. Der nach Süden gelegene Teil der Diele wurde Geräteraum. Der Anbau konnte in der Ost-/Westachse von Landfahrzeugen durchfahren werden. Im Haus blieb die verkleinerte Dreschtenne mit der Bodenluke zum Heuboden. Im Stallanbau neben der Durchfahrt befanden sich zwei Schweineställe und der Kuhstall, beide durch einen Futtergang getrennt. Über den Ställen war ein Sitzgerüst für die Hühner und Lagerraum für Stroh und Futter. Dort war auch die Tür zum Bausenraum, der neuen Räucherkammer. Bis zur nächsten Erweiterung des Stalles im Jahre 1911 konnte man den Bausenraum auch von der Nordseite durch eine Stalltür mit einem „Stichbogen“ begehen.

Noch einmal, 1911, wurde das Stallungskonzept durch die Erweiterung um 4,50 m mal 7,00 m verändert. Die alte Durchfahrt wurde verschlossen und kleinere Türen und Fenster eingesetzt, der Stallneubau, an der Ost- und Westseite mit je einem „2-flügel. schlichten Tor versehen. An jedem Tor 2 Radabweiser. In der Decke eine Einstiegsöffnung. Das Dach mit roten Falzziegeln gedeckt“. Die Nordwand ist als Ziegelfachwerk gebaut worden und hat eine kleine Lukentür von 1,20 mal 1,00 m. Mit diesem Anbau sollte Platz für einen Pferdestall geschaffen werden.

Der Lageplan zeigt das ganze Anwesen. Nach Norden liegen 7 Scheffelsaat Ackerland des Försters. Zur Westseite der Garten. Das Inventarium listet 1919 einundzwanzig Apfelbäume, sechs Birnbäume, vier Zwetschenbäume und vier Kirschbäume auf. Schon 1888 werden an der Südseite des Hauses 5 Weinstöcke erwähnt.

Aus der Zeit des Försters stammt die 38 Meter lange Böschungsmauer, die aus Bruchstein aufgeschichtet worden ist. An zwei Stellen sind Kartoffelkeller in den Hang gearbeitet worden, kleine Räume von 3,20 m mal 2,30 und 2,40 m mal 2,70 m. Die gewölbten Ziegelsteindecken sind 1,80 m und 1,65 m i. L. hoch.

In dem beschriebenen Forstgehöft hat bis zu seiner Pensionierung 1904 der Förster Robert Otto Tappert gewohnt. Ein bemerkenswerter Mann, ihm wurde 1902 der Titel Hegemeister verliehen und zu seiner Pensionierung der Königliche Kronen-Orden IV. Klasse. Weitere Bewohner des Gehöftes waren Förster Burghard Frasch (1904 – 1922) und Hegemeister Einicke (1922 – 1932). 1930 „beschloß die Klosterverwaltung, eine neue Försterwohnung östlich der dicken Linde, in der sogenannten ´Langenwand´ zu bauen“. Im Frühjahr 1931 hat man sie bezogen.

Nach der Försterzeit ist das Haus vom Klosterforstamt an Private vermietet worden.

Als Kleinkind ist der heutige Bewohner Johannes Brickwedde mit seinen Eltern dort eingezogen. Ihm kommt dass Attribut zu, von allen Bewohnern dieses Hauses die längste Zeit (siebzig Jahre) darin gewohnt zu haben.

Am 26. September 1944 sind der westliche Teil des Wohnhauses und die Stallungen durch mehrere britische Brandbomben getroffen worden. Die Trägerbalken in der Diele und den Stallungen zeigen noch heute Brandspuren. Der Giebel oberhalb der Fenster musste mit Schlackensteinen neu aufgerichtet werden. Das Dach der Stallungen wurde mit Zementziegeln neu gedeckt. Personen kamen nicht zu Schaden.

Nach dem 2. Weltkrieg hat der Praktische Arzt Dr. Spellmann seine Praxisräume im Anbau gehabt.

Seit dem 1.4.1954 sind das Gebäude und 1624 qm Haus- und Hofraum sowie 1070 qm Gartenland im Besitz der Katholischen Kirchengemeinde Rulle. Pfarrer Thomes hatte damals die Absicht, „die ‚Blutskapelle‘ allmählich wieder mit der Wallfahrt irgendwie in Beziehung zu setzen“.

1978 ist das Eigentum neu parzelliert worden. Das Grundstück hat heute 1819 qm.

Das Gebäude ist 1984 unter der Ziffer 143/144 in das „Vorläufige Verzeichnis der Baudenkmale in der Gemeinde Wallenhorst“ aufgenommen worden.

Im Dezember 2002 ist das Anwesen in den Besitz des Ruller Haus e. V. übergegangen.

Vermietung

Das Ruller Haus mit Hof und Gartenbühne, Musikraum, Diele, Küche und Kaminzimmer eignet sich für Seminare, Tagungen und vieles mehr …

Der Verein

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